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    31.01.2007

    Zum Tod des Philippe Lacoue-Labarthe: Berliner Zeitung


    Fiktion des Politischen
    Zum Tod des Philosophen und Germanisten Philippe Lacoue-Labarthe
    VON JENS BALZER

    Der französische Philosoph Philippe Lacoue-Labarthe ist tot. Er starb am Wochenende im Alter von 66 Jahren in Paris, wie die Straßburger Universität Marc-Bloch mitteilte, wo Lacoue-Labarthe über 30 Jahre lang gelehrt hatte.

    Neben seinem Lehrer Jacques Derrida zählte Lacoue-Labarthe zu den bekanntesten Vertretern der dekonstruktivistischen Philosophie; wie dieser, entwickelte er wesentliche Züge seines Denkens – die Kritik an der abendländischen Metaphysik, an den totalitären Wendungen des Humanismus und seines Subjektbegriffs – in der Auseinandersetzung mit der Philosophie Martin Heideggers, den er – neben Hölderlin, Celan und Nietzsche – auch ins Französische übertrug. Stärker als Derrida, verstand Lacoue-Labarthe die Dekonstruktion als politische Philosophie. Besonderes Augenmerk galt dem “Begriff des Politischen” in einer Zeit, in der sich das Politische einerseits hinter das Recht, das Soziale und die Kunst zurückgezogen habe, andererseits “alles politisch” geworden sei; dieses Phänomen untersuchte er in den 80er-Jahren mit dem Philosophen Jean-Luc Nancy im “Centre de recherche philosophique sur le politique”.

    Einem breiteren Publikum wurde er durch das Buch “Fiktion des Politischen” bekannt: eine Lektüre Heideggers, die gegen dessen konkrete Verstrickung in die nationalsozialistische Politik seine antimetaphysische Spätphilosophie zum Inbegriff eines nicht-faschistischen Denkens stilisierte. Wie Heidegger, war auch Lacoue-Labarthe unerbittlich in seinem Antihumanismus: also der strikten Ablehnung jedes Versuchs, ein überzeitliches, transzendentales “Wesen” des Menschen zu fixieren. In diesem Sinn muss man auch seinen meistzitierten (und meist missverstandenen) Satz “Der Nationalsozialismus ist ein Humanismus” verstehen: der Totalitarismus der Nazi-Ideologie folge direkt aus dem Universalismus des Aufklärungsdenkens, das eine totale Erkenntnis des Mensch-Seins beanspruche. Eine wahre Philosophie des Subjekts müsse dagegen das Nicht-Identische, nicht zu Begreifende wahren.
    Berliner Zeitung, 31.01.2007

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    scritto da millepiani
    il 31.01.2007
    come un amore per la filosofia
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